
Sonnenfilter für die Sonnenfinsternis: so wählst du richtig
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Ein tauglicher Sonnenfilter schluckt rund 99,999 Prozent des einfallenden Lichts — das entspricht einer optischen Dichte von OD 5 und ist der Wert, ab dem du überhaupt in Richtung Sonne fotografieren darfst. Alles darunter ist kein Sonnenfilter, sondern ein Graufilter mit gefährlichem Namen.
Die Sonne ist das einzige Motiv, bei dem ein Ausrüstungsfehler nicht nur ein verpatztes Bild kostet, sondern deine Netzhaut und den Sensor deiner Kamera. Gleichzeitig ist die Sache technisch überschaubar: Du brauchst genau ein Zubehörteil, das richtig sitzt, und du musst wissen, wann es drauf bleibt und wann es abkommt. Wie das Ganze in den Ablauf der Finsternis eingebettet ist, steht in der kompletten Finsternis-Anleitung — hier geht es nur um den Filter.
ISO 12312-2 und OD 5: die beiden Zahlen, auf die es ankommt
Zwei Kennwerte entscheiden, ob ein Produkt vor die Sonne darf. Die Norm ISO 12312-2 beschreibt Filter für die direkte Sonnenbeobachtung — sie begrenzt nicht nur das sichtbare Licht, sondern ausdrücklich auch ultraviolette und infrarote Strahlung. Genau das unterscheidet sie von jeder Fotofilter-Norm. Der zweite Wert ist die optische Dichte OD. OD 5 bedeutet, dass nur ein Hunderttausendstel des Lichts durchkommt. Vorsicht bei der Produktbezeichnung: Es gibt Folien, die ausdrücklich als reine Fotofolie verkauft werden und unter OD 5 liegen. Die sind für den Blick durch Sucher oder Teleskop nicht zugelassen, auch wenn die Kamera damit ein helleres Bild liefert. Wer sich nicht mit zwei Sorten Folie verzetteln will, nimmt durchgehend eine Folie nach ISO 12312-2 mit OD 5 — die ist für Auge und Sensor gleichermaßen freigegeben.
Achte beim Kauf darauf, dass die Norm auf Verpackung oder Produktseite ausgeschrieben steht, nicht nur ein Wort wie „Sonnenschutz". Ein Filter ohne dokumentierte Norm ist ein Filter ohne Aussage. Und prüfe die Folie vor jedem Einsatz gegen eine helle Lampe: Kratzer, Nadelstiche oder Knickbrüche, durch die Licht punktuell durchschlägt, machen sie unbrauchbar. Eine leicht wellige Folie dagegen ist normal und schadet der Bildschärfe nicht — die Folie arbeitet nicht als Linse, sondern als Bremse.
Warum ND-Graufilter die falsche Lösung sind — auch gestapelt
Die drei Teile, die du wirklich brauchst
Filter, Brennweite, Stabilität — mehr Ausrüstung braucht eine Finsternis nicht.
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Der naheliegende Gedanke ist verlockend: Ein ND1000 liegt in der Tasche, zwei davon übereinander müssten doch reichen. Tun sie nicht, und zwar aus einem Grund, den du auf dem Display nicht siehst. Neutraldichte-Filter sind für sichtbares Licht gerechnet. Ihre Dämpfung im nahen Infrarot fällt deutlich schwächer aus, teilweise lassen sie dort ein Vielfaches dessen durch, was sie im sichtbaren Bereich bremsen. Das Bild sieht angenehm dunkel aus, während die Wärmestrahlung nahezu ungehindert auf Verschlussvorhang und Sensor trifft.
Stapeln verschärft das Problem sogar. Du bekommst ein noch dunkleres Sucherbild, fühlst dich noch sicherer — und die Infrarotlast bleibt. Dazu kommen Reflexionen zwischen den Filterflächen, die als Geisterbilder neben der Sonnenscheibe landen. Dasselbe gilt für Behelfe wie belichteten Film, gerußtes Glas, CDs oder Rettungsdecken: kein definierter Infrarotschutz.
Folie, Glasfilter oder Selbstbau: Filtertyp im Vergleich
Drei Bauformen sind in der Praxis üblich. Die Unterschiede liegen weniger in der Bildqualität als in Handhabung und Robustheit — und darin, wie sicher das Teil bei Wind an deinem Objektiv bleibt.
| Typ | Handhabung | Robustheit | Wofür geeignet |
|---|---|---|---|
| Folie als Fertig-Kappe | aufstecken, sitzt über der Fassung; leicht, kein Gewicht vorn am Objektiv | empfindlich gegen Kratzer und Nadelstiche; Ersatz einplanen | der Standardfall, wenn du eine Finsternis fotografierst und danach selten wieder |
| Glas-Schraubfilter | wird ins Filtergewinde geschraubt, kann nicht verrutschen; muss zum Durchmesser passen | hoch, gefasst und reinigungsfest | wiederkehrende Sonnenfotografie, Flecken und Transits über Jahre |
| Selbstgebaute Fassung mit Folie | Pappring plus Folie, passgenau für dein Objektiv; Bauzeit vorher einplanen | so gut wie dein Klebeband — die schwächste Stelle im Feld | ungewöhnliche Durchmesser, Teleskope, zweite Kamera als Zweitaufbau |
Egal welche Bauform: Der Filter muss so sitzen, dass er bei einer Windböe nicht abhebt. Eine Kappe, die nur leicht klemmt, bekommt zusätzlich zwei Streifen Gaffertape über die Kante zum Tubus. Ein Schraubfilter braucht das nicht, dafür solltest du ihn vor dem Einsatz einmal festgezogen und wieder gelöst haben — ein verklemmter Filter wird in den letzten Sekunden vor der Totalität zum echten Problem.
Sucher, Fokus und Weißabgleich: die Einstellungen vor Ort
Der optische Sucher einer Spiegelreflexkamera führt das ungefilterte Sonnenlicht direkt in dein Auge — bei gefiltertem Objektiv ist er sicher, bei abgenommenem Filter nicht. Die einfache Regel: Du arbeitest ausschließlich über Live-View oder den elektronischen Sucher. An einer spiegellosen Kamera wie der Alpha 6400 ist das ohnehin der Normalfall, und du gewinnst die Lupenfunktion dazu.
Der Autofokus findet an der gefilterten Sonnenscheibe oft nichts, weil ihm Kontrast fehlt. Stell auf manuellen Fokus um, vergrößere im Live-View auf die maximale Stufe und stell scharf auf den Sonnenrand, nicht auf die Mitte — die Kante ist die einzige Struktur im Bild. Sitzt der Fokus, fixierst du den Ring mit Tape. Den automatischen Weißabgleich lässt du aus: Er reagiert auf jeden Helligkeitssprung. Ein fester Wert um 5500 Kelvin gibt eine neutrale Sonne, 7000 Kelvin einen wärmeren Ton. Wer in RAW fotografiert, entscheidet das ohne Verlust später am Rechner.
| Einstellung | Startwert mit Filter |
|---|---|
| Modus | M (manuell), RAW |
| ISO | 100 |
| Blende | f/8 |
| Verschlusszeit | 1/500 s als Ausgangspunkt, dann über das Histogramm zwischen 1/125 und 1/2000 s nachjustieren |
| Fokus | manuell, Lupe auf den Sonnenrand, Ring danach fixieren |
| Weißabgleich | fest, 5500 K neutral oder 7000 K warm |
Diese Werte sind ein Startpunkt, kein Gesetz — wie Blende, Zeit und ISO zusammenhängen, erklärt das Belichtungsdreieck einfach erklärt. Der entscheidende Schritt ist der Probelauf: Bau die komplette Kombination an einem ganz normalen Sonnentag auf, mindestens zwei Wochen vorher. Du findest dabei heraus, ob der Filter sauber sitzt, ob deine Brennweite die Sonne groß genug abbildet und wie sich das Stativ bei hochstehender Sonne verhält. Am Finsternistag ist keine Zeit für diese Fragen.
Der Filter kommt ab — aber nur in der Totalität
Es gibt genau einen Moment, in dem der Filter runterdarf: wenn die Sonnenscheibe vollständig verdeckt ist. Dann, und nur dann, wird die Korona sichtbar, und die ist um ein Vielfaches dunkler als die Sonne selbst — mit Filter siehst du schlicht nichts. Sobald am Rand der erste helle Punkt zurückkommt, gehört der Filter sofort wieder drauf. Übe diesen Handgriff vorher, mit geschlossenen Augen, bis er ohne Hinsehen klappt.
Bei einer ringförmigen Finsternis wie am 26. Januar 2028 über Süd- und Ostspanien bleibt dagegen immer ein heller Ring stehen. Da wird der Filter nie abgenommen, und eine Korona gibt es dort auch nicht zu fotografieren. Dasselbe gilt für jede Partialphase — in Deutschland ist 2027 und 2028 ausschließlich das zu sehen. Wer die Totalität will, muss reisen: Am 2. August 2027 liegt sie über der Straße von Gibraltar, in Tarifa mit 4 Minuten 39 Sekunden gegen 10:45 Uhr CEST.
Worauf es ankommt
Kauf einen Filter mit ausgeschriebener ISO 12312-2 und mindestens OD 5, montiere ihn vor der Frontlinse, sichere ihn gegen Wind und arbeite ausschließlich über Live-View. ND-Filter bleiben in der Tasche, egal wie viele du hast. Stell auf M, ISO 100, f/8, 1/500 s, fokussiere manuell auf den Sonnenrand und friere Fokus wie Weißabgleich ein. Und nimm den Filter nur ab, wenn die Sonne wirklich vollständig verdeckt ist. Wenn du danach Lust auf mehr Himmel hast: Astrofotografie am Sternenhimmel läuft nach denselben Prinzipien, nur in die andere Richtung.
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Veröffentlicht durch die Pixelscharf-Redaktion. Veröffentlicht am 17. September 2026.
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