Lightroom Presets erstellen: Dein eigener Bildstil in Minuten
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Wer regelmäßig Fotos bearbeitet, kennt das Muster: Belichtung anpassen, Kontrast erhöhen, Farben sättigen, Schärfe feintunen, bei jedem einzelnen Bild die gleichen Schritte. Presets automatisieren diesen Prozess: Ein Klick, und die Grundbearbeitung steht.
Statt teure Preset-Pakete von Instagram-Fotografen zu kaufen, lohnt es sich, eigene Presets zu entwickeln. Die passen garantiert zum eigenen Stil und sind exakt auf die eigene Kamera abgestimmt.
Was ist ein Preset?
Ein Preset ist nichts anderes als eine gespeicherte Sammlung von Bearbeitungseinstellungen. Statt jeden Regler einzeln zu bewegen, wendet das Preset alle Einstellungen gleichzeitig an. Und: Alles bleibt nachträglich änderbar, ein Preset ist ein Startpunkt, kein Endresultat.
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Schritt 1: Den eigenen Look finden
Bevor ein Preset erstellt wird, muss klar sein: Wie sollen die Fotos aussehen? Einige Fragen zur Orientierung:
- Warm oder kühl? (Farbtemperatur)
- Kontrastreich oder flach? (Tone Curve)
- Gesättigte oder gedämpfte Farben? (Vibrance/Saturation)
- Tiefe Schwarztöne oder angehobene Schatten? (Black Point)
- Knackige Schärfe oder softer Look? (Clarity/Texture)
Tipp: Sammle 10-15 eigene Fotos, die gefällig bearbeitet sind. Analysiere die Gemeinsamkeiten. Das ist der persönliche Stil, und die Basis für das Preset.
Schritt 2: Ein Foto als Vorlage bearbeiten
Wähle ein gut belichtetes, technisch sauberes Foto. Öffne es im Entwickeln-Modul und bearbeite es so, dass es dem gewünschten Look entspricht:
Grundeinstellungen (Basic Panel)
- Belichtung: Auf 0 lassen (wird pro Bild angepasst)
- Kontrast: Je nach Stil +10 bis +30
- Lichter/Schatten: Lichter leicht runter (-20 bis -40), Schatten leicht hoch (+20 bis +40) für mehr Dynamikumfang
- Weiß/Schwarz: Den vollen Tonwertumfang ausschöpfen
Präsenz (Presence)
- Texture: +10 bis +20 für mehr Details
- Clarity: +5 bis +15 für Mikrokontrast (Vorsicht: zu viel wirkt unnatürlich)
- Vibrance: +10 bis +25 (hebt schwache Farben an, ohne gesättigte zu übertreiben)
Tone Curve
Die Gradationskurve ist das mächtigste Werkzeug für den Look. Ein beliebter Einstieg: Den Schwarzpunkt leicht anheben (die untere linke Ecke der Kurve etwas nach oben ziehen). Das erzeugt den typischen "Film-Look" mit leicht verwaschenen Schatten.
Schritt 3: Das Preset speichern
Wenn die Bearbeitung steht:
- Im Entwickeln-Modul links auf das + neben "Vorgaben" klicken
- "Vorgabe erstellen" wählen
- Einen aussagekräftigen Namen vergeben (z.B. "Nina, Warm Outdoor")
- Die Einstellungen wählen, die im Preset enthalten sein sollen
Welche Einstellungen einschließen?
Nicht alles gehört ins Preset. Bildspezifische Einstellungen weglassen:
- Einschließen: Tonwertkorrektur, Farben, Schärfe, Rauschreduzierung, Tone Curve, HSL, Split Toning
- Ausschließen: Belichtung, Weißabgleich (variiert pro Foto), Transformation, Objektivkorrektur, Zuschnitt
Schritt 4: Testen und verfeinern
Ein Preset, das bei einem Foto perfekt funktioniert, kann bei einem anderen versagen. Der nächste Schritt ist daher entscheidend:
- Das Preset auf 20-30 verschiedene Fotos anwenden (unterschiedliches Licht, Motive, Situationen)
- Prüfen: Funktioniert der Look konsistent? Gibt es Probleme bei bestimmten Lichtsituationen?
- Anpassen und aktualisieren: Rechtsklick auf das Preset → "Mit aktuellen Einstellungen aktualisieren"
Varianten erstellen
Ein Basis-Preset reicht selten für alle Situationen. Sinnvolle Varianten:
- Outdoor warm: Das Basis-Preset mit leicht erhöhter Farbtemperatur
- Indoor: Angepasste Rauschreduzierung und ISO-spezifische Schärfe
- Schwarzweiß: Das Basis-Preset ohne Farbe, mit angepasstem Kontrast
- Porträt soft: Weniger Clarity, etwas weniger Kontrast
Presets sind kein Ersatz für individuelle Bearbeitung, aber sie sind ein kraftvoller Ausgangspunkt, der 80% der Arbeit in einer Sekunde erledigt. Die restlichen 20% machen den Unterschied zwischen gut und herausragend.
Preset-Varianten und Batching: Wie du dein Preset für verschiedene Lichtsituationen skalierst
Ein einziges Universal-Preset funktioniert selten für alle Aufnahmesituationen - Portraits bei Tageslicht brauchen andere Grundeinstellungen als Stadtfotos bei Nacht. Profis arbeiten deshalb mit einem System aus drei bis fuenf Kern-Presets, die auf unterschiedlichen Ausgangssituationen basieren. Der sinnvolle Aufbau: Ein Basis-Preset für alle Wetterbedingungen (ohne Belichtungskorrektur, nur Ton-Kurve und Farb-Profil), ein Warm-Preset für goldene Stunde (+200 K Temperatur, +10 Tint, Lichter -20), ein Kuehl-Preset für bewoelkte Tage (-300 K Temperatur, Klarheit +15, Dehaze +10) und ein Nacht-Preset (Tiefen +40, Schwarzpunkt -10, Luminanz-Rauschreduzierung 40). Diese vier Presets decken 90 % aller Situationen ab, ohne dass du bei jedem Bild alle Regler manuell setzen musst. Das Ziel ist kein Bild-Look der alle Fotos gleich aussehen laesst, sondern ein Batch-Workflow, der die Grundkorrektur in Sekunden erledigt und dann nur noch feine Anpassungen erfordert.
In Lightroom Classic kannst du die Staerke eines angewendeten Presets nachtraeglich regulieren: Bewege den Maus-Zeiger über das Preset im Preset-Panel und halte die Alt-Taste (Windows) bzw. Option-Taste (Mac) gedrueckt. Ein Regler erscheint, mit dem du die Preset-Wirkung von 0 bis 100 % einstellen kannst. Das ermoeglicht subtilere Anwendung ohne das Preset zu duplizieren oder zu modifizieren. Diese Funktion ist besonders nuetzlich beim Testen von Presets auf verschiedenen Bildern - du siehst sofort, bei welcher Staerke das Bild am natürlichsten wirkt.
Die Tone Curve ist das Herzstuck eines jeden Presets und entscheidet mehr über den endgueltigen Look als alle anderen Regler zusammen. Einsteiger überspringen sie meist zugunsten der einfacheren Basis-Regler. Eine S-Kurve (Lichter leicht angeheben, Schatten leicht absenken) gibt Kontrast und ist die Grundlage der meisten Film-emulierten Presets. Eine flache Kurve (Lichter runter, Schatten hoch) erzeugt den matten, entsaettigten Look, der seit 2019 populaer ist. Eine umgekehrte S-Kurve (Lichter stark runter, Schatten leicht rauf) gibt dramatischen High-Contrast-Look. Für das Erstellen eigener Presets gilt: Speichere die Tone Curve im Preset mit ein - viele Einsteiger-Presets vergessen das und wundern sich, warum das Ergebnis auf anderen Bildern anders aussieht als erwartet.
Lightroom-Preset-Parameter und ihre Wirkung: Referenz für den Preset-Aufbau
| Parameter | Im Preset speichern? | Typische Werte für Warm-Look | Typische Werte für Kuehl-Look |
|---|---|---|---|
| Belichtung | Nein (pro Bild variiert) | 0 (nicht im Preset) | 0 (nicht im Preset) |
| Farbtemperatur | Ja | +200 bis +500 K | -300 bis -600 K |
| Tone Curve | Ja (unbedingt!) | Leichte S-Kurve | Flache oder inverse S-Kurve |
| Klarheit | Ja | +5 bis +15 | +15 bis +25 |
| HSL-Kanaele | Ja (Kern des Looks) | Orange +10 Luminanz, Gelb saettigen | Blau +20 Saettigung, Teal entsaettigen |
| Rauschreduzierung | Nur Farbrauschen (25) | Farbe: 25 | Farbe: 25 |
Belichtung und Lichter/Tiefen gehoeren nicht ins Preset: Diese Werte variieren von Bild zu Bild so stark, dass ein im Preset gesetzter Belichtungswert bei einem korrekt belichteten Bild zu Über- oder Unterbelichtung fuehren wuerde. Im Preset-Speicher-Dialog kannst du gezielt auswaehlen, welche Parameter gespeichert werden - entferne das Haeckchen bei Belichtung, Lichter, Tiefen, Weisspunkt und Schwarzpunkt. Dafuer solltest du Farbtemperatur, Tint, Tone Curve, HSL und Kamerakalibrierung immer im Preset einschliessen - das sind die Parameter, die den eigentlichen Look ausmachen und von Bild zu Bild konstant bleiben sollen.
Ein Preset, das für eine Sony A7 IV entwickelt wurde, sieht auf einer Fujifilm X-T5 oder Canon R8 anders aus, weil jede Kamera ein anderes Farb-Rendering und andere RAW-Rohdaten produziert. Gekaufte Preset-Pakete sind meist auf einen Kameratyp optimiert - auf anderen Kameras wirken die Farben falsch oder übertrieben. Lösung: Erstelle eigene Presets immer mit Bildern deiner eigenen Kamera und teste sie mit mindestens zehn verschiedenen Aufnahmen in unterschiedlichen Lichtsituationen bevor du sie als Haupt-Preset verwendest. Falls du fremde Presets nutzen willst, passe zumindest den Kamerakalibrierungs-Regler (Prozessversion und Kamera-Profil) an deine Kamera an.
Für den finalen Schliff am Preset empfiehlt sich ein einfacher Test: Wende das Preset auf zehn verschiedene Bilder aus unterschiedlichen Lichtsituationen an - Tageslicht, Innenraum, bewoelkt, goldene Stunde, Nacht. Schau, in welchen Situationen das Preset gut funktioniert und wo es Probleme macht. Das zeigt dir, ob das Preset wirklich als universelles Basispreset taugt oder ob du spezialisierte Varianten für bestimmte Situationen benoetigen wirst. Ein gutes Basis-Preset verbessert in allen zehn Testbildern den Look, ohne in einem Fall drastisch zu verschlechtern.
- 10-15 eigene Lieblingsfotos analysieren: Was ist der gemeinsame Nenner der Bearbeitung?
- Referenzbild auswaehlen: Gut belichtet, technisch sauber, repraesentativ für den eigenen Stil
- Belichtung beim Preset auf 0 lassen - pro Bild individuell anpassen
- Tone Curve im Preset-Speicher-Dialog aktivieren - sie ist der wichtigste Look-Parameter
- Belichtung, Lichter, Tiefen aus dem Preset ausschliessen (nicht speichern)
- HSL-Kanaele gezielt anpassen: Welche Farben sollen dominieren oder zurücktreten?
- Preset-Staerke mit Alt-Taste testen bevor endgueltige Entscheidung
- Preset auf 10 verschiedenen Testbildern anwenden und in allen Lichtsituationen prufen
- Mindestens 3 Varianten erstellen: Basis, Warm (+200K), Kuehl (-300K)
- Preset-Namen strukturiert vergeben: Kamera-Stil-Situation (z.B. Sony-Warm-Portrait)
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Veröffentlicht durch die Pixelscharf-Redaktion. Veröffentlicht am 15. April 2026.
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